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VON POZNAŃ NACH NJEBJELČICY 2008

Nebelschütz/Njebjelčicy mit afrikanischem Prinzen

In ihrem Ostergruß 2008 hatten unsere slawischen, d.h. „wendischen“ (sorbischen) Freunde in Nebelschütz/Njebjelčicy (ein wenig nordwestlich von der Mitte der Linie zwischen Zgorzelec/Görlitz und Dresden) gefragt, ob wir zu ihnen kommen möchten, um am ”16. Internationale Gemeindefest” (XVI. mjezynarodny gmejnski swjedźeń wot 11.-13. julija 2008) teilzunehmen (auf derselben Weise wie 1999 und 2002), und diese Einladung war es, die unsere ganze Reise ausgelöst hatte.
Polen - mit dem anderen slawischen Nachbarland Tschechien - spielt eine große Rolle in diesen internationalen Gemeindefesten. Dieses Jahr wurde die Partnergemeinde Namysłów von einer offiziellen Delegation, einer Blaskapelle und einer Folkloregruppe vertreten.
Die übrigen ausländischen Delegationen kamen von den Partnergemeinden Hlučin in Tschechien und Ladanybene in Ungarn. Auch eine Delegation von der deutschen Partnergemeinde Barleben war da. Aber außer der aus Anna und mir bestehenden Zweipersonendelegation aus dem hohen Norden, war da eine noch exotischere Zweipersonendelegation: der perfekt deutsch sprechende Prinz Dah Bokpe aus der Republik Benin in Afrika (zwischen Togo und Nigeria) und die Bildkünstlerin Michelle Nze, die in Libreville geboren ist, der Hauptstadt der Republik Gabun, des Landes an der Westküste Afrikas, wodurch der Äquator geht; sie arbeitet und wohnt jetzt in Berlin.
Die Sorben sind sanfte [gute, ruhige, angenehme], sehr gemütliche [dä.: „hyggelige“, ein sehr besonderes, wichtiges und positives dänisches Wort!] Menschen, bei denen man sich als Däne sehr leicht zu Hause fühlt, und das internationale Gemeindefest kann, was das Festzelt, den Festplatz, die Musiktribüne und das Bierausschenken betrifft, als eine Miniausgabe des Krammarkts in meiner ehemaligen Pfarrgemeinde Døllefjelde betrachtet werden. Ein Höhepunkt war der große „Festumzug“ mit dem Thema „Vereine in der Gemeinde“, in dem alles von Kulturvereinen bis zu dem Kaninchenzüchterverein und dem Kindergarten vertreten war. Einige Gruppen gingen, andere fuhren in Wagen, die von schönen und schön geschmückten Pferden oder von spektakulären Oldtimertraktoren gezogen wurden, und es gab schöne und lustige Verkleidungen, Schilder usw. Einige Gruppen traten mehr oder weniger in Tableau-Form auf. Anna und ich gingen in der Abteilung „ausländische Gäste“ mit kleinen dänischen Danebrog-Flaggen in den Händen, die ausgegeben worden waren.
Beim Festgottesdienst am Sonntag wirkte die Kapelle aus Namysłów mit - im feinsten polnischen Stil. Wir haben zwar im polnischen Rundfunk und Fernsehen oft Fanfaren bei den Einsetzungsworten des Abendmahls gehört, aber die, die wir hier hörten, übertrafen alles. Man kann, solange man will, katholische und lutherische Abendmahlstheologie diskutieren, diese Fanfaren waren auf jeden Fall ein Ausdruck des Glaubens an die wirkliche Präsenz Christi im Abendmahl, die etwas wollte! [dä.: „der ville noget“; bedeutet in der dänischen Umgangssprache etwa: „die ein wirklich starker Versuch war“].
Wie die beiden ersten Male bekam ich am Ende der Messe das Wort für eine kurze „Ansprache“. Auch dieses mal feierten wir den 15. Sonntag im Jahreskreis, und deshalb war mein Gruß von Dänemark und Der Dänischen Volkskirche ein paar Strophen des neuen Kirchenliedes von Johannes Johansen über das Evangelium vom Sämann (DDS [Den Danske Salmebog = Das Dänische Kirchenliederbuch] 154), die ich in ungereimte deutsche Verse übersetzt hatte. Abschließend sagte ich - auf meinem besten Sorbisch ein paar Verse aus dem Ersten Brief des Petrus auf, die ich der Situation angepasst hatte: /Poswjećmy swoje duše prawdźe a njetajenej bratrowskej lubosći, lubujmy so nuternje mjez sobu. Smy dźě znowa spłodźeni nic ze zachodneho, ale njezachodneho symjenja a to přez słowo Bože, kotrež je a wostawa žiwe!/ (1. Pet. 1,22-23). Auf Dänisch (auch vom Wortlaut der sorbischen Übersetzung geprägt) hätte es so gelautet: ”Lad os hellige vore sjæle til sandheden og den oprigtige broderkærlighed, lad os elske hinanden inderligt. Vi er jo genfødt, ikke af en forgængelig, men af en uforgængelig sæd, Guds ord, som er og forbliver levende!”. - Und auch diesmal wurde mein Gruß mit einem kräftigen Beifall beantwortet, der mich sehr freute. Ein solcher Beifall ist ja etwas ganz anderes als ein Konzertbeifall; es ist zur gleichen Zeit ein Amen und ein „Danke gleichfalls“.

Von Pastor, dr. theol. & cand. mag. Bent Christensen

[dr. theol. & cand. mag. = Doktor der Theologie und (etwa) M.A.] 

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